Zeitleiste der Frühen Neuzeit: 18. Jahrhundert PDF Drucken E-Mail

Zeitleiste 1700-1710

um 1700: Beginn der Aufklärung / Deutsche Frühaufklärung

1700: Ende der spanischen Linie der Habsburger: Tod Karls II.

1700: Gründung der Kurfürstlich-Brandenburgische Societät der Wissenschaften (Berliner Akademie der Wissenschaften)

In der zweiten Hälfte des 17. und im 18. Jahrhunderts bildeten sich in Europa neue Wissens- und Forschungsstätten: die Akademien. Im Sinne der Aufklärung wurde hier praxisorientierter, für die Öffentlichkeit zugänglicher und von Stand, Grenze und Kofession unabhängiger als in den z.T. traditionell wirkenden Universitäten geforscht. Der erste Präsident der Kurfürstlich-Brandenburgische Societät war der Universalgelehrte Gottfried Wilhelm Leibniz.

1700-1721: Papst Clemens XI. (Lebensdaten: 1649-1721)

1700-1721: Großer Nordischer Krieg

Der Große Nordische Krieg war ein Krieg zwischen Dänemark, Polen (dessen König der sächsische Kurfürst August der Starke war) und Russland auf der einen und der schwedischen Großmacht auf der anderen Seite. Es ging um die Vormachtstellung im Ostseeraum. Der Schwedenkönig Karl XII. unterlag nach anfänglichen Erfolgen knapp. Schweden verlor seine Großmachtsstellung, Preußen und Russland stiegen zu den neuen, tonangebenden Machthabern des Nordens auf.

1701: Act of Settlement

Der Act of Settlement (dt. Grundordnung) des englischen Parlaments legte fest, dass kein Katholik den englischen Thron besteigen dürfe. Auch die Heirat eines katholischen Partners war damit für mögliche Thronfolger ausgeschlossen. Der Act of Settlement gilt bis heute.

1701-1713/14: Spanischer Erbfolgekrieg / Haager Allianz

Der Spanische Erbfolgekrieg wird, wohl etwas übertrieben, auch der "erste Weltkrieg" genannt, da er erstmals auch auf Gebiete außerhalb Europas hinausragte. Der Krieg entbrannte an der Frage, wer die Nachfolge des spanischen Königs Karl II. (1661-1700) antreten sollte, der seit 1665 König von Spanien war und kinderlos blieb: Damit stand das Aussterben der habsburgischen Linie in Spanien bevor.

Drei "Bewerber" um die Nachfolge gab es:

  • Kaiser Leopold I. (über seine Frau Margareta Theresa von Spanien, 1651-1673, die im Testament ihres Vaters Philipp IV. für den Fall des Aussterbens der spanischen Habsburgerlinie als Erbin vorgesehen war),

  • Ludwig XIV., französischer König bourbonischer Abstammung (über seine Frau Maria Theresia, 1638–1683, die älteste Tochter Philipps IV.),

  • Maximilian II. Emanuel von Bayern, der mit Maria Antonia von Österreich (1669-1692) verheiratet war. Maria Antonia war die Tochter Kaiser Leopolds I. und Margareta Theresia. Aus der Ehe Maximilians mit Maria Antonia ging der Sohn Joseph Ferdinand hervor, der zunächst von Karl II. als Gesamterbe Spaniens bestimmt worden war. Joseph Ferdinand starb allerdings 6-jährig im Jahre 1699.

Überraschend übertrug Karl II. kurz vor seinem Tod den Gesamtbesitz an Philipp von Anjou, den Enkel Ludwigs XIV., und setzte damit den Spekulationen über eine Teilung des spanischen Besitzes ein Ende.

Mit dieser Machtfülle des französisch-bourbonischen Geschlechts wollten sich viele Herrscher in Europa nicht abfinden: Der Habsburger Kaiser Leopold I. verbündete sich mit Holland und England in der sogenannten Haager Allianz, der sich nachfolgend Preußen, Portugal, Hannover und Savoyen anschlossen. Fast das gesamte Reich stand auf Seiten des Kaisers. Nach anfänglicher Neutralität trat Maximilian II. Emanuel von Bayern offen auf die Seite der Franzosen.

Kriegsschauplätze waren Spanien, Norditalien, die Nordsee, Süddeutschland und schließlich auch die südlichen Niederlande. Dabei erlitten die französischen Heere schwere Niederlagen - vor allem durch den Prinzen Eugen von Savoyen (Österreich) und den englischen/britischen Herzog von Marlborough. 1711 kam es zwischen Frankreich und England zu einem Vorfrieden, da England weder an einer Vormachtstellung der Franzosen noch an einem mächtigen Reich interessiert war.

1704-1709: Friedrich August I. von Sachsen (der Starke) vorübergehend nicht mehr polnischer König (August II.)

Nachdem der schwedische König im "großen Nordischen Krieg" die sächsisch-polnische Armee bei Klissow deutlich geschlagen hatte, setzte er den polnischen König August den Starken ab und den polnischen Adeligen Stanislaus Leszczyński ein. Nachdem russische Truppen die Schweden in der Schlacht bei Poltawa besiegt hatten, wurde August vom polnischen Adel wieder in das Königsamt eingesetzt.

1707: Act of Union: Vereinigung von England und Schottland zum Königreich Großbritannien

1710: Gründung der "Königlich-Polnischen und Kurfürstlich-Sächsischen Porzellan-Manufaktur"

1710 erteilte Friedrich August I. von Sachsen (August der Starke) das Patent für den Bau der ersten Porzellanfabrik Europas in Meißen.

Zeitleiste 1711-1720

1713: Friede von Utrecht und Anschlussabkommen von Rastatt und Baden (Aargau) 

Den ersten Abkommen zwischen England und Frankreich folgten der Frieden von Utrecht und die Anschlussverträge von Rastatt und Baden: Spanien und seine Kolonien gingen an Philipp von Anjou, allerdings wurde eine Vereinigung mit Frankreich ausgeschlossen. Österreich erhielt die spanischen Niederlande, Mailand, Sardinien und das Königreich Neapel. Savoyen bekam Sizilien. England erhielt das strategisch wichtige Gibraltar an der Südspitze Spaniens, Port Mahon auf Menorca und "mit dem Erwerb von Neufundland, Neuschottland und der Hudson-Bay ein koloniales Fauspfand, das den Grundstein für die planmäßige Expansion der folgenden Jahrzehnte legte." (Kunisch, 1986, S. 144) Der Friede von Utrecht war "die erste klassische Demonstration des europäischen Gleichgewichts", der "balance of Europe" (Mieck, 1989, S. 279).

1713: Pragmatische Sanktion Kaiser Karls VI.

Die Pragmatische Sanktion war eine Urkunde des Kaisers, die die Erbfolge für die Königreiche und Länder regeln sollte: Sie sollten nicht getrennt werden! Zudem durfte fortan auch eine Frau das Erbe antreten.

1713/14-1740: Zeit der Konvenienzpolitik oder Kongress-Zeit

Unter der Zeit der Konvenienzpolitik oder Kongress-Zeit ist die Zeit gemeint, in der durch Geheimdiplomatie und Kabinettsübereinkünfte ein politisches Gleichgewicht in Europa hergestellt werden sollte. Zahlreiche Kongresse und Konferenzen widmeten sich, auch der Kriegsmüdigkeit der Länder geschuldet, möglicher Konflikte und suchten diese bereits im Keim zu ersticken.

Zum Tragen kam diese Politik z.B. beim Versuch Spaniens, italienische Besitztümer zurückzuerobern, der einen Tausch der Inseln Sardinien und Sizilien zur Folge hatte: Sizilien ging an den Kaiser, Sardinien an das Haus Savoyen, Parma, Piacenza und die Toskana an Spanien. Bei Letzterem wurde Elisabeth Farnese, der Frau Philipps V. und mit Kardinal Alberoni die eigentliche spanische Machtinhaberin, das Erbrecht für ihren ältesten Sohn zugestanden.

1714: Einschränkung der Hexenprozesse in Preußen

Der preußische König Friedrich Wilhelm I. (auch der Soldatenkönig genannt) erließ im Jahre 1714 ein Gesetz, das die Hexenverfolgungen zwar nicht ausdrücklich verbot, aber deutlich einschränken sollte. Der König selbst wollte die Kontrolle über die einzelnen Verfahren und Urteile erhalten, um Fehler auszuschließen.

1714: Fahrenheit: Entwicklung des Quecksilberthermometers

1714: Der Hannoveraner Kurfürst Georg I. wird englischer König

1714 fand in Großbrittaniens Königshaus ein Dynastiewechsel statt. Georg I. Ludwig (1660-1727) aus dem Hause Hannover (Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg oder Kurhannover) wurde neuer König.

1716-1718: Türkenkrieg und Friede von Passarowitz

Zwischen 1716 und 1718 kam es erneut zu einem Krieg zwischen dem Reich und den Osmanen. Bei Peterwardeinen und Belgrad konnte der österreichische Feldherr Prinz Eugen von Savoyen, der bereits im Spanischen Erbfolgekrieg eine entscheidende Rolle gespielt hatte, die Osmanen besiegen. Der Friede von Passarowitz beendete den Krieg. Neben der Festung Belgrad gingen auch Banat, Teile Serbiens und Bosnines sowie die kleine Walachei an Österreich.

1717: Sturmflut an der Nordseeküste ("Weihnachtsflut")

Am 24. Dezember 1717 ereignete sich die bis dahin bekannte größte Sturmflut an der Nordseeküste. Sie richtete große Schäden an den Deichen und das Hinterland der niederländischen, deutschen und dänischen Küste an. Es gab mehrere Inseldurchbrüche und über 18.000 Menschen und knapp 35.000 Nutztiere starben. (Zahlen nach: Münch, Lebensformen, 1992, S. 147)

1717: Gründung der ersten Großloge der Freimaurer (Beginn der "modernen" Freimaurerei)

1720-1722: Pestepidemie in Marseille und der Provence

Es war die letzte große Pestepidemie im westlichen Europa. Sie wurde wohl über ein Handelsschiff nach Marseille getragen. Nach und nach breitete sie sich im Juli 1720 in der Stadt aus und raffte bald 300, bald 1.000 Menschen pro Tag hinweg. Auch die Dörfer rund um Marseille wurden nun in Mitleidenschaft gezogen. Im Herbst endete die Ausbreitung der Pest, im Frühjahr 1721 flammte sie wieder auf und tötete in der Provence viele Menschen. Die Sterblichkeit in der Stadt Marseille betrug ca. 40 Prozent der Bevölkerung, in einigen Dörfern der Umgebung gar 50 Prozent. (Vasold: Die Pest, 2003, S. 147ff.) Nach dem Ende der Pest in Frankreich trat sie noch 1743 in Messina (Sizilien) und 1770 in Moskau auf.

Zeitleiste 1721-1730

1721: Hans Egede: Beginn der Grönland-Mission

Im Mai 1721 bricht, nach jahrelangem Zögern aus privaten Gründen, der evangelische Pfarrer Hans Egede (1686-1758) vom norwegischen Bergen aus nach Grönland auf, um die dort lebenden Menschen zu missionieren.

1721: Johann Sebastian Bach: Brandenburgische Konzerte

1721 sandte der Musiker und Komponist Johann Sebastian Bach (1685-1750) die Partitur von sechs Konzerten an den Markgrafen Christian Ludwig von Brandenburg-Schwedt. Die Konzerte waren keine Neukompositionen, sondern eine Zusammenstellung früherer Kompositionen. Bach selbst sah die Konzerte auch nicht als zusammengehörige Einheit - und auch der Titel "Brandenburgische konzerte" stammte nicht von ihm, sondern wurde erst später festgelegt.

1721-1724: Papst Innozenz XIII. (Lebensdaten: 1655-1721)

1721-1725: Peter I. der Große: Erster Kaiser des Russischen Reiches

Im Jahre 1721 ließ sich Peter I. der Große (richtiger Name: Pjotr Alexejewitsch Romanow, 1672-1725) zum russischen Kaiser ausrufen. Bis 1721 war er Zar und Großfürst von Russland. Peter der Große führte viele Reformen - teilweise auch gewaltsam - in seinem Reich durch, die sich vielfach an westlichen Vorbildern und Ideen orientierten.

1722: Generaldirektorium des preußischen Königs Friedrich Wilhelms I.

1722 erließ der preußische König eine Instruktion zur Schaffung einer zentralen Wirtschafts- und Finanzbehörde, des Generaldirektoriums. Es unterstand direkt dem König und gab ihm die Möglichkeit, den Finanzhaushalt seines Landes zu beaufsichtigen und auf finanzielle Entscheidungen, die gerade auch militärische Vorhaben tangierten, direkt Einfluss zu nehmen.

1724: Wittelsbacher Hausunion

Wittelsbacher Hausunion werden zwei Verträge genannt, die 1724 zwischen dem bayerischen Kurfürsten Maximilian II. Emanuel und dem pfälzischen Kurfürsten Karl III. Philipp unterzeichnet wurden und die katholischen Linien des Hauses Wittelsbach vereinigen sollte.

Durch die Wittelsbacher Hausunion stieg das Haus Wittelsbach zu einer sehr starken Macht innerhalb des Reiches auf.

1724: Thorner Blutgericht (auch Thorner Tumult genannt)

In der weitgehend protestantischen Stadt Thorn in Polen gründeten die Jesuiten im Zuge der Gegenreformation eine Klosterschule. In der Folgezeit nahmen, auch durch politischen Druck, die Feindseligkeiten zwischen Katholiken und Protestanten immer weiter zu.

Bei der Fronleichnamsprozession im Jahre 1724 eskalierte die Lage: Der Bürgermeister wurde von den Jesuitenschülern bedroht, es fielen Schüsse. Daraufhin stürmten und verwüsteten die Protestanten das Jesuitenkloster. Nach einem Gerichtsverfahren vor dem Warschauer Hofgericht werden 14 Personen zum Tode verurteilt, letztlich 10 Todesurteile auch vollstreckt. Der Fall erregte in vielen Teilen Europas großes Aufsehen.

1724-1730: Papst Benedikt XIII. (Lebensdaten: 1649-1730)

1725: Vivaldi: Die vier Jahreszeiten

1725 veröffentlichte der venezianische Komponist und Violinist Antonio Lucio Vivaldi (1678-1741) sein bekanntestes Werk "Die vier Jahreszeiten". Diese vier Violinkonzerte sind allerdings nur vier von insgesamt fast 230 vollständig überlieferten Violinkonzerten Vivaldis.

1726: Jonathan Swift: Gullivers Reisen

Das bekannteste Werk des irischen Schriftstellers Jonathan Swift (1667-1745) ist heute oftmals nur als Kinderbuch bekannt - gekürzt und sinnentstellt. Tatsächlich ist "Gullivers Reisen" ein vierbändiges, äußerst satirisches Werk.

1726: Großbrand in Reutlingen

Das Feuer ging von einem Haus aus - und vernichtete letztendlich über 800 Häuser - das waren damals ca. 80 Prozent der Häuser Reutlingens.

1726-1743: Bau der Dresdner Frauenkirche

Nach dem Entwurf des Dresdner Baumeisters George Bähr (1666-1738) wurde 1726 mit dem Bau der Dresdner Frauenkirche begonnen. Die Kirche wurde bekanntlich im 2. Weltkrieg zerstört und zwischen 1994 und 2005 wiederaufgebaut.

1728: Großbrand in Schwäbisch Hall

1728 brannte in Schwäbisch Hall ein Großteil der Innenstadt ab. Im barocken Stil wurde der Wiederaufbau betrieben, der heute noch das Bild der Altstadt prägt.

1730-1736: Vulkanausbrüche auf Lanzarote

Aufgrund ihrer Länge von sechs Jahren und der ungeheuren Menge des ausgespuckten Materials zählen die Ausbrüche der vielen Vulkankegel zu den bedeutendsten Vulkanausbrüchen der Weltgeschichte. Noch heute bedeckt das Lavagestein von damals große Teile der Insel, v.a. im Nationalpark Timanfaya.

1730-1740: Papst Clemens XII. (Lebensdaten: 1652-1740)

1730-1827: Musikepoche: Klassik (Vor-, Früh- und Wiener Klassik) 

Haydn, Mozart und Beethoven - Klassik umfasst, grob gesehen, die Zeit und den Musikstil dieser Komponisten. Musik sollte Wissenschaft und Kunst sein, sich an Regeln halten und gleichzeitig wahr, harmonisch und schön klingen. Leidenschaft und Gefühle, Phantasie und Erhabenheit sollten gemeinsam mit den verstandeskräften die starren Muster des Barock aufbrechen: Der Generalbass entfällt, Melodie und Harmonik stehen im Vordergrund, das Stilisierte wird durch den Kontrast ersetzt.

Doch selbstverständlich gab es Vorläufer der Klassik und auch eine ganze Reihe anderer Musiker, die den diese Epoche mitprägten. Ab 1730 spricht man von der Vorklassik, ab ca. 1760 von der Frühklassik und ab 1780 schließlich von der Klassik oder Wiener Klassik. Über das Ende der Klassik lässt sich freilich ebenso streiten wie über diese Jahreszahlen: 1827 starb Beethoven - die Romantik hatte schon längst begonnen.

Zeitleiste 1731-1740

1731: Reichshandwerksordnung 

Das Heilige Römische Reich driftete immer weiter auseinander, auch in wirtschaftspolitischen Fragen und Bestimmungen. Die Reichshandwerksordnung von 1731 war eine der wenigen Gesetzesvorhaben, die noch reichsumfassend gelten sollten - richtungsweisend für die entsprechende Territorialgesetzgebung. Mit ihr erhoffte man sich die Beseitigung etlicher Missstände im Handwerk.

1731: Salzburger Emigrationsedikt 

Leopold Anton von Firmian (1679-1744), Fürst und Erzbischof von Salzburg, erließ 1731 das Emigrationsedikt. Dieses bestimmte die Vertreibung der Protestanten aus dem Erzbistum Salzburg. Knechte und Mägde mussten innerhalb von 14 Tagen das Land verlassen. Bauern mit Grundbesitz mussten innerhalb von 12 Wochen ihren Besitz verkaufen und auswandern.

1732-1754: Johann Heinrich Zedler: Grosses vollständiges Universallexicon

In relativ kurzer Zeit gab der Verleger Johann Heinrich Zedler (1706-1751) die 64 Bände des Universal-Lexicons heraus. Nach seinem Tod folgten noch vier Supplementbände. Das Lexikon umfasst eine Vielzahl von Themengebieten und dient heute als eine nahezu unerschöpfliche Quelle des Wissens im 18. Jahrhundert. Die meisten Autoren sind bis heute unbekannt.

1733: Kantonreglement für Brandenburg-Preußen

Mit dem Reglement des preußischen Königs Friedrich Wilhelms I. sollte das Anwerben von Soldaten besser organisiert werden. Der Historiker Gustav Schmoller sieht in dem Kantonreglement sowohl einen wichtigen Baustein hin zu einer allgemeinen Wehrpflich, als auch "einen der wichtigsten Schritte zur Anbahnung des Staatsbürgertums", da Bauern nun nicht mehr nur dem Gutsherrn, sondern in einigen Punkten auch direkt dem Staat unterstanden. (In: Moderne Preussische Geschichte 1648-1947, hrsg. v. Otto Büsch und Wolfgang Neugebauer, 1981, S. 761)

1733-1735: Polnischer Erbfolgekrieg / Wiener Präliminarfrieden

In diesem Krieg standen sich Russland/Österreich und Frankreich gegenüber. Nach dem Tod des sächsischen Kurfürsten Friedrich August I. (geb. 1670-1733, auch "der Starke" genannt), der seit 1697 als August II. auch polnischer König und Großfürst von Litauen war, standen sein Sohn Friedrich August II. (1696-1763) und Stanislaus I. Leszczynski (1677-1766), der für ein paar Jahre zu Beginn des 18. Jahrhunderts polnischer König war, als Nachfolger bereit.

Österreich und Russland favorisierten Friedrich August II., Frankreich hingegen machte sich für den rechtmäßig gewählten polnischen König Stanislaus I. Leszczynsky ein. Nach dem Erscheinen russischer Truppen in Polen konnte die Wahl Friedrich Augusts durchgesetzt werden und Stanislaus floh nach Danzig. Der Krieg fand vowiegend am Rhein und in Italien statt, der eigentliche Kriegsgrund trat bald schon in den Hintergrund. Vielmehr suchte Frankreich die Verbindung der Häuser Lothringen und Habsburg zu verhindern. Diese "drohte" durch die Heirat Maria Theresias (1717-1780), einer Fürstin aus dem Hause Habsburg, mit Franz Stephan von Lothringen, der seit einigen Jahren Herzog von Lothringen und Bar war. Im Wiener Präliminarfrieden von 1735, 3 Jahre später im Frieden von Wien "offiziell" bestätigt, wurde Friedrich August zum König bestimmt, Stanislaus erhielt Lothringen - allerdings mit der Maßgabe, dass Lothringen nach dessen Tod zurück an Frankreich fallen sollte. Franz Stephan erhielt die Toskana und durfte Maria Theresia heiraten.

1734: Gründung der Georg-August-Universität in Göttingen (Eröffnung 1737)

1734/35: Erstaufführung von Bachs Weihnachts-Oratorium

Das Weihnachts-Oratorium von Johann Sebastian Bach (1685-1750) wurde imDezember 1734 und Januar 1735 erstmals aufgeführt. Es besteht aus einer "Folge von sechs dramatisierenden Evangelienkantaten für die drei Weihnachtsfeiertage, Neujahr und die zwie folgenden Sonntage". (nach: Wörener: Geschichte der Musik, 1993, S. 321)

1735: Carl von Linné: Systema Naturae 

Nach Jahren des Suchens, Zeichnens und Beschreibens von Pflanzen erschien 1735 eine der Hauptschriften des schwedischen Naturforschers Carl von Linné (1707-1778). Linné verschrieb sich der Klassifizierung der Pflanzen und Tiere. Diese unterteilte er in Kategorien, Ordnungen, Familien, Gattungen und Arten. Seine Klassifizierungen sind größtenteils noch heute gültig.

1735-1739: Russisch-türkischer Krieg (auch Erster Russisch-Österreichischer Türkenkrieg genannt) / Friede von Belgrad

In diesem Krieg standen die Verbündeten Österreich und Russland dem Osmanischen Reich gegenüber. Russland suchte schon länger seine Macht bis zum Schwarzen Meer auszudehnen, Österreich in Richtung Balkan. Der Vorstoß Österreichs war wenig erfolgreich. Im Frieden von Belgrad (1739) gingen einige Gebiete, die den Österreichern im Frieden von Passarowitz (1718, siehe oben) zugesprochen worden waren, wieder zurück an das Osmanische Reich. Russland hatte zwar mehr kriegerische Erfolge vorzuweisen, trat jedoch auch dem Belgrader Frieden bei, der ihnen nur geringe Vorteile gegenüber der Situation vor dem Krieg brachte.

1735-1763: Friedrich August II. (1696-1763) von Sachsen: König von Polen ("August III.")

1736: Wahl Theodors I. zum ersten und einzigen König Korsikas

Im Zuge der korsischen Unabhängigkeitsbewegung gegenüber der Republik Genua wurde Theodor Stephan Freiherr von Neuhoff (1694-1756) zum König Korsikas gewählt. Theodor von Neuhoff hatte ein bewegtes, abenteuerliches Leben hinter sich, u.a. wirkte er als Börsenspekulant, Musiklehrer und Geheimdiplomat für Österreich. Auf Korsika wurde ein relativ aufgeklärtes Staatswesen ausgerufen, das allerdings nicht lange Bestand hatte: Nach acht Monaten musste Theodor die Insel verlassen und seine weiteren Versuche, das Königreich zu retten, scheiterten. Genua war siegreich, auch weil die Unterstützung von außen fehlte.

Manche Ideen Theodors wurden jedoch wieder aufgegriffen, als der korsische Freiheitskämpfer Pascal Paoli 1755 die Genueser angriff und sie aus dem Landesinneren vertreiben konnte. Er gab Korsika eine demokratische Verfassung und herrschte bis zum Eingreifen der Franzosen im Jahre 1768, die die Insel von den Genuesen erworben hatten.

1737: Großbritannien: Abschaffung des Hexereidelikts

In Großbritannien verliefen die Hexenverfolgungen bei weitem nicht so heftig wie in Teilen West- und Mitteleuropas. Die Elemente des Hexenwesens (Schadenzauber, Teufelspakt und -buhlschaft, Hexenflug, Hexensabbat) wurden in England uznd Schottland nur zögerlich wahrgenommen und übernommen - und schon gar nicht so detailliert ausgeschmückt. Die Folter wurde in England kaum, in Schottland relativ selten angewandt. Brian P. Levack (Hexenjagd: Die Geschichte der Hexenverfolgungen in Europa, 1999, S. 188) schätzt, dass die Zahl der Hexenprozesse in Großbritannien "kaum über 5000, die der Hinrichtungen unter 2500, eventuell nur um 1500" betrugen. 1737 schließlich wurde das Hexereidelikt ganz abgeschafft.

1738: Joseph Ben Issachar Süßkind Oppenheimer (verunglimpfend "Jud Süß" genannt) wird hingerichtet

Joseph Süßkind Oppenheimer war ein erfolgreicher Finanzmakler und Bankier, der 1736 zum Geheimen Finanzrat des Herzogs von Württemberg, Karl Alexander (1684-1737), ernannt wurde. Gleichzeitig avancierte er zu einem wichtigen politischen Berater des Herzogs.

Karl Alexander war katholisch, Württemberg hingegen protestantisch, so dass er einige Zugeständnisse an die protestantischen Landstände machen musste. Diese wollte er z.T. rückgängig machen, unterrichtete darüber aber nicht Oppenheimer. Trotzdem wurde Oppenheimer nach dem Tod des Herzogs mit diesen Plänen in Verbindung gebracht. Verschärfend kamen etliche Gerüchte hinzu, gestreut von politischen Feinden. Es folgten die Festnahme, Verhöre mit Gewaltanwendung, extreme Haftbedingungen und Anklagen wegen Hochverrats und anderer Vergehen - und Oppenheimer wurde von parteiischen Richtern zum Tode verurteilt. Er starb am 4. Februar 1738 am Strang.

Es gab in der Folgezeit einige literarische Stücke, die die Geschichte Oppenheimers aufarbeiteten. Am bekanntesten wurde jedoch die Verfilmung durch Veit Harlan aus dem Jahre 1940: ein Propagandafilm der Nationalsozialisten.

1739: David Hume: A Treatise of Human Nature (Ein Traktat über die menschliche Natur)

"A Treatise of Human Nature" ist eines der Hauptwerke des Hauptvertreters des englischen Empirismus, David Hume (1711-1776), der philosophische, historische und ökonomische Schriften verfasste.

Für Hume sind Beobachtung und Erfahrung die Grundlagen menschlicher Erkenntnis. Er unterscheidet zwischen Sinneseindrücken (Impressionen) und Ideen. Ideen seien die Erinnerungen und Vorstellungen des menschlichen Geistes, während die Sinneseindrücke die Grundlage aller Ideen seien. Erst, wenn ich den Mond gesehen habe, kann ich mir den Mond in Erinnerung rufen und über ihn nachdenken. Dann freilich kann ich diese Vorstellungen ausschmücken - "das Grundmaterial, aus dem unsere Vorstellungen sich letztlich zusammensetzen, (muss) aus irgendwelchen Eindrücken gewonnen sein". (nach: Norbert Hoerster: David Hume, in: Klassiker des philosophischen Denkens, 2003, S. 12f.) Zudem können verschiedene Perzeptionen, also Bewusstseinsinhalte, zusammenkommen: Farbe, Geruch, Geschmack - doch der "Gesamteindruck" kann auch wieder in einzelne Eindrücke geteilt werden.

Hume lehnte also jegliche Erkenntnis über die Wirklichkeit, die nur durch reines Denken (a priori) zustande kommt, die also nicht auf die Sinneswahrnehmungen zurückgeht, ab. Und zwar nicht, weil es diese Wirklichkeit nicht geben könne, sondern weil es sie geben oder nicht geben könne: "Das Gegenteil jeder Tatsache bleibt immer möglich, denn es kann niemals einen Widerspruch in sich schließen und wird vom Geist mit derselben Leichtigkeit und Deutlichkeit vorgestellt, als wenn es noch so sher mit der Wirklichkeit übereinstimmte. Daß die Sonne morgen nicht aufgehen wird, ist ein nicht minder verständlicher Satz und nicht widerspruchsvoller, als die Behauptung, daß sie aufgehen wird." (David Hume, Ein Traktat, 4. Abschnitt, G 23, Philosoph. Bibliothek, Übersetzung von R. Richter von 1907)

1739-1742: Kolonialkrieg zwischen England und Spanien: War of Jenkins’ Ear

1740: Einschränkung der Folter in Preußen durch Friedrich den Großen

Friedrich II. (1712-1786, auch Friedrich der Große oder "der Alte Fritz" genannt) ließ mit seinem Antritt als preußischer König im Jahre 1740 die Folter nur noch in besonders schweren Fällen zu. 1754 bekräftigte Friedrich die Bestimmungen von 1740, wobei er aber wohl nicht die Ausnahmen abschaffte, wie vielfach in der historischen Forschung behauptet. Tatsächlich blieb die Folter in Preußen auch nach 1754 noch in Ausnahmefällen ein erlaubtes Mittel zur Wahrheitsfindung. (Siehe: Mathias Schmoeckel: Humanität und Staatsraison, S. 37) Und nur um diese Art der Folterung ging es im übrigen: Als Strafen durften dem Verurteilten weiterhin auch schmerzhafte, bis zum Tod führende Qualen zugefügt werden.

Nach und nach wird diese Form der Folterung in anderen Ländern des Heiligen Römischen Reiches abgeschafft. Die Gründe dafür werden unterschiedlich gesehen: Waren sie religiös und ethisch motiviert oder müssen sie eher in dem Einsehen, dass die Folter nicht sehr effektiv in der Verbrechensbekämpfung war, zu finden sein?

1740-1748: Österreichischer Erbfolgekrieg / Schlesische Kriege / Friede von Aachen

Im Oktober 1740 starb Kaiser Karl VI. Gemäß der Pragmatischen Sanktion von 1713 konnte seine älteste Tochter, Maria Theresia, das Erbe antreten. Während sich das Kaiserhaus, Bayern und Sachsen um die Wirksamkeit der Sanktion und damit um die Thronnachfolge stritten, marschierte der preußische König Friedrich II. (1712-1786) in Schlesien ein.

Frankreich schmiedete in der Folgezeit eine anti-habsburgische Allianz, der schließlich auch Preußen und rheinische Kurfürsten beitraten. Französische und sächsische Truppen marschierten in Böhmen ein, der bayerische Kurfürst Karl Albrecht (1697-1745) wurde zum Kaiser gewählt - er hatte zuvor bereits, verheiratet mit der jüngsten Tochter Kaiser Josephs (1678-1711), dem Vorgänger und Bruder Kaiser Karls VI., Ansprüche auf den Thron angemeldet.

England mischte sich nun zunehmend in die Geschehnisse auf dem Festland ein und verschaffte Maria Theresia Rückhalt. Bayern konnte besetzt, ein Sonderfrieden mit Preußen abgeschlossen und Sachsen zum Frieden gezwungen werden. Unterdessen suchte Frankreich der englisch-österreichischen Umklammerung zu entziehen und konnte Preußen 1744 zu einem erneuten Kriegseintritt bewegen (2. Schlesischer Krieg). Nun allerdings trat, nach Sachsen, auch Bayern auf die Seite der Habsburger: Karl Albrecht verzichtete auf den Kaiserthron und machte damit den Weg frei für Franz Stephan von Lothringen, dem Gatten Maria Theresas. Als Franz I. trat er 1745 die Nachfolge an.

Es folgten weitere Kriegshandlungen: Französische und spanische Truppen besetzten Mailand, in den Niederlanden standen einem französischen Heer unter Moritz von Sachsen englische, hannoversche, holländische und österreichische Truppen gegenüber, die Engländer gewannen zwei Seeschlachten und damit endgültig die uneingeschränkte Herrschaft im Überseehandel gegenüber den Franzosen. Der Frieden von Aachen im Jahre 1748 beendete schließlich den Krieg.

1740-1758: Papst Benedikt XIV. (Lebensdaten: 1675-1758)

Zeitleiste 1741-1750

1741-1743: Krieg zwischen Schweden und Russland / Friede von Abo 

In diesem Krieg versuchte Schweden seine Vormachtstellung an der Ostsee wiederherzustellen, die im Großen Nordischen Krieg verloren gegangen war. Mehrere Niederlagen der schwedischen Truppen sowie Konflikte (Bauernaufstände) im eigenen Land zwangen Schweden zum Friedensschluss von Abo, der gegenüber dem Vorkriegszustand weitere territoriale Verluste einbrachte.

1742: Georg Friedrich Händel: Messiah (Uraufführung in Dublin)

1742: Anders Celsius: Temperatureinteilung in "Grad Celsius"

Der schwedische Astronom Anders Celsius (1701-1744) schlug 1742 eine Temperatureinteilung in einer 100 Grad-Skala vor - allerdings noch mit den Fixpunkten 0 Grad für den Siedepunkt und 100 Grad für den Gefrierpunkt.

1743: Pest in Messina (Sizilien) 

Bei dem Ausbruch der Pest im Juni 1743 in Messina sollen allein in der Stadt ca. 30.000 Menschen an der Seuche gestorben sein.

1746: Carlo Goldoni: Der Diener zweier Herren (Uraufführung) 

In Mailand wird das bekannteste Stück des italienischen Dramatikers Goldini (1707-1793), Il servitore di due patroni, uraufgeführt.

1748: Montesquieu: De l'esprit des lois (Vom Geist der Gesetze)

De l'esprit des lois (Vom Geist der Gesetze) ist die Hauptschrift des französischen Staatstheoretiker Montesquieu (vollständiger Name und Titel: Charles-Louis de Secondat, Baron de La Brède et de Montesquieu, 1689-1755). Montesquieu entwickelt darin "eine umfassende Theorie der Regierungsformen und ersetzt die staatsbildende Komponente des Naturrechts durch den Versuch, das Wesen der einzelnen Völker aus historisch-geographischen Bedingtheiten zu erklären (Klimatheorie, 'esprit général')." (Mieck: Europäische Geschichte, 4. Aufl., 1999, S. 221) Unter anderem begründete Montesquieu die Trennung von Legislative (gesetzgebende Gewalt), Exekutive (ausführende Gewalt) und Judikative (Rechtsprechung).

Das Buch erfuhr in kurzer Zeit etliche Auflagen.

1749: Georg Friedrich Händel: Feuerwerksmusik (Uraufführung)

Zeitleiste 1751-1760

1751: David Hume: An Enquiry Concerning the Principles of Morals (Eine Untersuchung über die Prinzipien der Moral)

1751: Diderot und d'Alembert: Encyclopédie

1751 erschienen die ersten Bände des monumentalen Werks von Denis Diderot und Jean le Rond d'Alembert: der "Encyclopédie ou dictionnaire raisonné des sciences, des arts et des métiers". Der gesamte Wissenschatz der Zeit sollte hier zu lesen sein, von der Religion über die Philosophie und die Politik bis hin zu Beschreibungen der Handwerke und der Gewerbe. An den über 70.000 Artikel schrieben etliche bekannte französische Aufklärer mit, Rousseau oder auch Voltaire.

1752: England: Einführung des Gregorianischen Kalenders (s. 1582)

1755: Johann Joachim Winckelmann: Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerey und Bildhauerkunst

Der Bibliothekar Johann Joachim Winckelmann veröffentlichte 1755 die Schrift "Gedanken über die Nachahmung der griechischen Werke in der Malerey und Bildhauerkunst" und forderte dmit die Kunstschaffenden seiner Zeit auf, sich vom Ideal der römischen Kunst ab- und dem griechischen Kunstverständnis zuzuwenden. Die Schrift fand große Verbreitung.

1755: Erdbeben und Tsunami in Lissabon 

Am 1. November erschütterten drei rasch aufeinander folgende Erdbeben Lissabon und die südliche Algarve. Die Erdstöße waren bis weit nach Europa hinein spürbar. An mehreren Stellen in der Stadt brachen Feuer aus, weshalb sich die Menschen an die Küste flüchteten. Dort wurden sie von einer hohen Flutwelle erfasst. Insgesamt wurden mehr als zwei Drittel der Stadt zerstört - ob tatsächlich fast ein Drittel der Einwohner (also 90.000) getötet wurden, wie in zeitgenössischen Quellen angegeben, wird hingegen heutzutage angezweifelt.

1756: Kartoffelbefehl Friedrichs II.

Der preußische König Friedrich der Große erließ in diesem Jahr den Befehl, Kartoffeln im großen Stil anzubauen.

1756: Vertrag von Versailles / Renversement des alliances

Im Jahre 1756 schlossen Frankreich und Österreich im Vorfeld des Siebenjährigen Krieges (s. 1756-1763) ein Bündnis für den Fall, dass es zwischen Österreich und Preußen, die sich England zugewandt hatten, kommen würde.

1756: Westminster Konvention

England suchte im Zuge kolonialer Konflikte mit Frankreich Unterstützung auf dem Festland und fand diese in Brandenburg-Preußen. In der vereinbarten Konvention sichern sich Brandenburg-Preußen und England gegenseitige Hilfe bei Angriffen auf ihre Gebiete in Deutschland zu. Das Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg, auch einfach als Hannover bezeichnet, gehörte bekanntlich in Personalunion zu England: Das Haus Hannover war eine Königsdynastie, die aus Deutschland stammte, aber ab 1714 die Könige in Großbritannien stellte.)

1756: Codex Maximilianeus Bavaricus Civilis (Bayerisches Landrecht)

Der Codex Maximilianeus Bavaricus Civilis ist eine der wichtigsten deutschen Rechtsquellen des 18. Jahrhunderts. Verfasser war der Rechtswissenschaftler und bayerische Staatskanzler Wiguläus Xaverius Aloysius Freiherr von Kreittmayr (1705-1790). Er erstellte mit diesem Werk eine allgemein verständliche Zusammenfassung des geltenden Rechts.

1756-1763: Siebenjähriger Krieg (auch "dritter Schlesischer Krieg" genannt) 

In diesem Krieg standen sich Brandenburg-Preußen und Großbritannien auf der einen, Österreich, Frankreich, Russland, Schweden und mehrere Reichsfürsten auf der anderen Seite gegenüber. Die Frage nach der Kriegsschuld ist schwer zu beantworten. So war Österreich (unter Erzherzogin Maria Theresia) nicht bereit, die in vorausgegangenen Konflikten verlorenen schlesischen Gebiete dauerhaft aufzugeben. Vor allem der österreichische Staatskanzler, Wenzel Anton Graf Kaunitz, betrieb eine betont gegen England und Preußen ausgerichtete Politik. Als es 1756 zu einem französisch-österreichischen Bündnis kam und auch Russland unter der Zarin Elisabeth (1709–1761) auf ihre Seite schlug, suchte der preußische König Friedrich II. (auch "der Große" genannt) sein Heil in der Offensive und marschierte in Sachsen ein - er nannte es einen Präventivkrieg.

Nach wenigen Erfolgen zeigte sich die Position Friedrichs des Großen immer schlechter. Eine Wende erhielt der Krieg durch den Tod der russischen Zarin im Jahre 1762: Ihr Nachfolger Peter III., ein Bewunderer Friedrichs des Großen, stellte sich auf die Seite Preußen-Brandenburgs. Friedrich der Große konnte die freiwerdenden Kräfte, die nun nicht mehr gegen Russland gebraucht wurden, für die Rückgewinnung Sachsens nutzen. Als sich schließlich noch das geschwächte Frankreich aus dem Krieg zurückzog und ein Bündnis mit England einging, entschied sich auch Österreich für einen Friedensschluss (Friede von Hubertusburg).

Brandenburg-Preußen wurde durch diesen Krieg zu einer europäischen Großmacht. Auch England etablierte sich, nachdem in diesem Krieg auch über die Vorherrschaft in Nordamerika entschieden wurde. Dieser Teil des Kriegs endete mit dem Frieden von Paris, Großbritannien ging als Sieger hervor. Und noch etwas hatte sich nun festgesetzt: der "deutsche Dualismus" (Burkhardt, 1985, S. 256) oder die Frage um die Vorherrschaft auf deutschen Gebiet zwischen Preußen und Österreich.

1757: Papst Benedikt XIV. hebt das Verbot der Werke auf, die die ein heliozentrisches Weltbild vertraten (Kopernikus und Galilei).

1758-1769: Papst Clemens XIII. (Lebensdaten: 1693-1769)

1759: Gründung der Bayerischen Akademie der Wissenschaften

1759: Erste Sinfonie von Joseph Haydn

1759 komponierte Joseph Haydn (1732-1809) seine erste Sinfonie - ein Werk, das lange einem anderen Komponisten, Anton Filtz, zugeschrieben wurde. Es folgten über 100 weitere Sinfonien. Haydn wird auch der Vater der klassischen Sinfonie genannt.

Zeitleiste 1761-1770

1762: Rousseau: Du contrat social ou principes du droit politique (Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechtes)

1762: Jean-Jacques Rousseau: Emile

In diesem Jahr erschien in Frankreich eine der wichtigsten und folgenreichsten pädagogischen Schriften des 18. Jahrhunderts: "Emile" von Jean-Jacques Rousseau. Rousseau entwarf darin ein neues Bild der Kindheit, in dem er sie scharf von der Erwachsenenwelt trennte: Das Kind sei nicht als der kleine Erwachsene anzusehen, sondern muss vor den schädlichen Einflüssen der Gesellschaft oder der Welt der Erwachsenen geschützt werden.

1763: Ende der Personalunion Sachsens mit Polen

1763: Johann Nikolaus von Hontheim: De statu ecclesiae et legitima potestate Romani pontificis liber singularis

Der Weihbischof von Trier, Johann Nikolaus von Hontheim (1701-1790), veröffentlichte im Jahre 1763 unter dem Pseudonym Justinus Febronius eine Schrift, die die päpstliche Vorrangstellung gegenüber dem bischöflichen Konzil infrage stellte. Nur die Kirche und das Konzil könnten unfehlbar sein. Das Werk wurde 1764 von der katholischen Kirche indiziert. Erst 1778 stellte sich heraus, wer Febronius war. Er wiederrief seine Ansichten - jedoch eher förmlich, wenn man seine weiteren Schriften betrachtet.

1765-1790: Kaiserzeit Josephs II. (Lebensdaten: 1741-1790, ab 1764 röm.-dt König)

1766: Der englische Chemiker und Physiker Henry Cavendish entdeckt den Wasserstoff

1767-1785: Sturm und Drang

Unter "Sturm und Drang" wird die Zeit oder eine Bewegung von 1767 bis 1785 genannt, da junge Schriftsteller gegen vorherrschende Konventionen und festgefahrene Ansichten der Aufklärung aufbegehrten - also nicht gegen die die Aufklärung an sich, sondern gegen die durch Überbetonung der Rationalität erstarrte Regelgläubigkeit. Die Schriftsteller, allen voran Johann Georg Hamann (1730–1788) und Johann Gottfried Herder (1744–1803), setzten in ihren Werken Gefühl und Spontaneität dagegen.

1768: Gottorper Vertrag

Bereits 1618 hatte das Reichskammergericht Hamburg zur Freien Reichsstadt ernannt. Das dänische Herzogtum Holstein erkannte dies erst im Jahre 1768 an.

1768: Constitutio Criminalis Theresiana mehr

Die "Constitutio Criminalis Theresiana" war die erste einheitliche Strrafgesetzgebung für Österreichs und Böhmen, allerdings "nur" eine Zusammenfassung bisheriger Rechtsbestimmungen. Sie war von Beginn an wegen ihrer Rückständigkeit umstritten und wurde daher schon bald, im Jahre 1787, durch das "Josefinische Strafgesetzbuch" ersetzt.

1768-1771: Erste Weltreise von James Cook / Entdeckung Australiens

1768-1774: Krieg zwischen Russland und Polen und zwischen Russland und den Türken / Friede von Kütschük-Kainardschi

1769: Watt: Erfindung der Dampfmaschine

1769-1774: Papst Clemens XIV. (Lebensdaten: 1705-1774)

Zeitleiste 1771-1780

1771/1774: Entdeckung des Sauerstoffs durch Wilhelm Scheele und Joseph Priestley (unabhängig voneinander)

1772-1795: Die drei Teilungen Polens

Die Gleichgewichtspolitik der Großmächte fand in den drei Teilungen Polens 1772, 1793 und 1795 einen ihrer Höhepunkte. Im Reich standen sich noch immer Preußen und Österreich gegenüber, Preußen mit dem immer stärker werdenden Partner Russland im Rücken, während sich Österreich gegen Russland mit den Osmanen verbündete. Um einen Krieg zu verhindern, bot Preußen einen Ausgleich an: die Aufteilung Polens unter Russland, Österreich und Preußen. Polen, innerlich und äußerlich geschwächt, wurde zum Spielball der Mächte und verschwand für über 100 Jahre von der europäischen Bildfläche.

1773: Johann Wolfgang von Goethe: Götz von Berlichingen 

Nachdem bereits 1771 eine erste Fassung, der sogenannte Urgötz erschienen war, veröffentlichte Goethe 1773 das Schauspiel in fünf Aufzügen "Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand". Darin geht es um die Fehde zwischen Götz von Berlichingen und dem Bischof von Bamberg zu Beginn des 16. Jahrhunderts.

1773: Papst Clemens XIV. löst den Jesuitenorden auf 

Nachdem der Jesuitenorden bereits in Portugal, Spanien und Frankreich verboten oder in seinem Wirken deutlich eingeschränkt wurde, hob Papst Clemens XIV. 1773 den Jesuitenorden auf. Dahinter stand einerseits der Druck der Bourbonen, also des Familiengeschlechts, das die Herrscher in Frankreich und Spanien stellte; andererseits wurde n die Jesuiten auch im Reich schon länger misstrauisch beäugt: Ihre Machtstellung an den Fürstenhöfen ebenso wie ihre Vorrangstellung im Bildungswesen und ihre Theologie. Katholische Aufklärung und Jesuiten passten nicht zueinander: "Die Aufklärung nimmt besonderen Anstoß am Jesuitenorden, der für sie die Machtansprüche des Papstes verkörpert." (Protestantische Theologie der Neuzeit 1, S. 161) Interessant, dass schließlich der Papst ihre Aufhebung anordnete. Erst 1814 wurde der Orden wieder zugelassen.

1773-1864: Dänischer Gesamtstaat / Vertrag von Zarskoje Selo

Der Dänische Gesamtstaat entstand als Folge des Vertrags von Zarskoje Selo (die Stadt heißt heute Puschkin und liegt südlich von St. Petersburg) und umfasste die Herzogtümer Schleswig und Holstein, die Färöer Inselns, Island und Grönland, bis 1815 Norwegen, ab 1815 das Herzogtum Sachsen-Lauenburg.

1774: Johann Gottfried Herder: Auch eine Philosophie der Geschichte zur Bildung der Menschheit

1774: Allgemeine staatliche Schulordnung in Österreich

1774 erließ Kaiserin Maria Theresia (1717-1780) in Österreich die „Allgemeine Schulordnung für die deutschen Normal-, Haupt und Trivialschulen in sämtlichen Kayserlichen Königlichen Erbländern“, die von dem Pädagogen Johann Ignaz Felbiger (1724-1788) stammte. U.a. wurde die sechsjährige Schulpflicht für Kinder ab 6 Jahren eingeführt.

1774: Johann Wolfgang von Goethe: Die Leiden des jungen Werthers

"Die Leiden des jungen Werthers" ist ein Briefroman, der die unglückliche Liebe des Rechtspraktikanten Werther bis zu dessen Freitod schildert.

1774: Uraufführung der Oper Iphigénie en Aulide von Christoph Willibald Gluck

1775: Letzte Hinrichtung einer Hexe in Deutschland

Die letzte Hexenhinrichtung in Deutschland fand in Kempten statt: Maria Anna Schwägelin wurde vom Bannrichter Johann Franz Wilhelm Treichlinger zum Tode verurteilt, der Fürstabt unterschrieb das Urteil. Es wurde allerdings wohl nicht vollstreckt.

1775-1783: Amerikanischer Unabhängigkeitskrieg 

Der amerikanische Unabhängigkeitskrieg war ein Krieg zwischen der Kolonialmacht Großbritannien und den 13 Kolonien in Nordamerika. Auch wenn erst 1783 der Krieg offiziell beendet war, stand bereits 1781 Großbritannien als Verlierer da: Die Briten verloren die Schlacht von Yorktown gegen die amerikanischen Truppen, die von Frankreich unterstützt wurden. Bereits 1776 wurde die Unabhängigkeit ausgerufen, 1777 die Konföderation. Die Vereinigten Staaten waren damit unabhängig.

1775-1799: Papst Pius VI. (Lebensdaten: 1717-1799)

1776: Adam Smith: Der Wohlstand der Nationen (An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations)

1776: Eröffnung des Bolschoi-Theaters in Moskau

1776: Gründung des Illumiatenordens

Der Philosoph Johann Adam Weishaupt (1748-1830) gründete 1776 den Illuminatenorden in Ingolstadt. Der Orden war ein Geheimbund, die Ziele sollten nicht nach außen kommuniziert werden. Angestrebt wurde eine Verbreitung der aufklärerischen Ziele, eine Verbesserung des sittlichen Zustands der Menschen. Dem Orden gehörten u.a. Johann Wolfgang von Goethe, Adolph Freiherr Knigge und Johann Gottfried Herder an. 1784 wurde der Orden in Bayern verboten. Es folgten weitere Verbotsedikte.

1778-1779: Bayerischer Erbfolgekrieg und Frieden von Teschen

Ausgangspunkt des Krieges, der kaum nennenswerte Gefechte mit sich brachte, stand der Tod des bayerischen Kurfürsten Maximilian III. Joseph aus dem Geschlecht der Wittelsbacher. Da er ohne Erben starb, wurde Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz sein rechtmäßiger Nachfolger und vereinigte die Fürstentümer ("Pfalz-Bayern"). Der habsburgische Kaiser Joseph II. bot Karl Theodor daraufhin die österreichischen Niederlande und einige Zahlungen im Tausch gegen Niederbayern und die Oberpfalz an. Karl Theodor war diesem Tausch nicht abgeneigt - im Gegensatz zu den Preußen, die ein starkes Übergewicht der Habsburger im Süden des Reiches nicht akzeptieren wollten. Sie marschierten in Böhmen ein. Bevor es zu Gefechten kommt, wird der Frieden von Teschen geschlossen. Karl Theodor behielt Bayern bis auf das Innviertel (das nordwestliche Viertel Österreichs), das an Österreich ging. Die Fürstentümer Ansbach und Bayreuth gingen an die Preußen.

1779: Erster Lehrstuhl für Pädagogik

Der erste deutsche Lehrstuhl für Pädagogik wurde an der Universität Halle eingerichtet. Dorthin berufen wurde Ernst Christian Trapp (1745-1818).

1779: Gotthold Ephraim Lessing: Nathan der Weise

1780: Frankreich: Abschaffung der Folter

1780: Luigi Galvani: Muskelkontraktionen durch elektrischen Strom (Galvanismus)

1780: Die älteste Zeitung der Schweiz, die Neue Zürcher Zeitung (NZZ), erscheint zum ersten Mal

1780: Gründung der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster

Zeitleiste 1781-1790

1781: Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft

1781 erschien eines der Hauptwerke Immanuel Kants und auch der Philosophiegeschichte insgesamt: die "Kritik der reinen Vernunft". Kant stellte sich mit seinen Ansichten gegen die "herrschende" Philosophie seiner Zeit (Rationalismus, Empirismus) und geriet auch mit der Kirche in Konflikt: 1827 wurde die "Kritik" von der katholischen Kirche auf den Index der verbotenen Bücher gesetzt.

1781: Entdeckung des Planeten Uranus durch Friedrich Wilhelm Herschel (1738-1822)

ab 1781: Reformen Kaiser Josephs II.

Die großen Reformen Josephs II., des Sinnbilds für den aufgeklärten Absolutismus, lassen sich in drei Abschnitte unterteilen: 1. Er hob die Leibeigenschaft sowie die Todesstrafe im Zivilstrafrecht auf. 2. Joseph II. erließ die so genannten Toleranzpatente, die eine freie Religionsausübung duldete, wenngleich die Katholische Kirche ihre Vorrangstellung behalten sollte. 3. Damit eng im Zusammenhang standen die Maßnahmen zur Säkularisierung: Viele Klöster wurden aufgehoben, etliche Feiertage und Kirchenfeste abgeschafft.

1782: Uraufführung der komischen Oper "Die Entführung aus dem Serail" von Wolfgang Amadeus Mozarts in Wien

1782:  Uraufführung von Friedrich Schillers Drama "Die Räuber" in Mannheim

1783: Friede von Versailles: Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika

1783: Aufhebung der Leibeigenschaft in Baden

1784: Entwurf: Preußisches Allgemeines Gesetzbuch

1784: Bauernaufstand in Siebenbürgen

1784: Immanuel Kant: Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? (Essay) 

Wenn nach einer Definition von Aufklärung gefragt wird, fällt zumeist ein Satz aus Kants Essay "Was ist Aufklärung": "Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines andern zu bedienen. Selbst verschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Muthes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Muth, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung." Der Essay erschien im Dezember 1784, nachdem ein Aufklärungsgegner in einer vorigen Ausgabe provozierend die Frage stellte: "Was ist Aufklärung?"

1784: Uraufführung von "Kabale und Liebe – Ein bürgerliches Trauerspiel" (Friedrich Schiller) in Frankfurt am Main  

1785: Tauschplan Josephs II. und Gründung des Deutschen Fürstenbundes

Joseph II. versuchte 1785 erneut, Bayern gegen die österreichischen Niederlande zu tauschen. Seinen Plan legte er Herzog August von Pfalz-Zweibrücken vor, der als Nachfolger Karl Theodors galt und hochverschuldet war. Als die Fürsten im Reich Protest dagegen erheben, gründet Friedrich II von Preußen (der Große) den Deutschen Fürstenbund. Der Plan Josephs II. war damit gescheitert. Pfalz-Bayern ging 1799 an Maximilian IV. Joseph (1756-1825), dem Bruder Karl Augusts.

1785: Friedrich Schiller: Ode an die Freude

1785: Erfindung des vollmechanisierten Webstuhls

Der Geistliche Edmund Cartwright (1743-1823) erfand 1785 den ersten mechanischen Webstuhl, der von einer Maschine angetrieben wurde. Seine Erfindung sollte später viele Arbeitsplätze kosten.

1786: Josephinisches Bürgerliches Gesetzbuch

1786: Uraufführung der Oper "Le nozze di Figaro" von Wolfgang Amadeus Mozart in Wien

1786: Emser Punktation

Die Emser Punktuation war eine Erklärung von vier Erzbischöfen des Reichs (Köln, Mainz, Trier und Salzburg), die eine (weitgehende) Loslösung der Reichskirche vom Papst forderte - und damit eine deutliche Machtsteigerung der deutschen Bischöfe dem Papst gegenüber. Dieses Ansinnen wurde auch Kaiser Joseph II. vorgetragen, der jedoch seine Unterstützung verweigerte. Das Vorhaben scheiterte.

1787: Uraufführung von Mozarts Oper "Don Giovanni" in Prag

1787: Johann Wolfgang von Goethe veröffentlicht das Schauspiel "Iphigenie auf Tauris"

1787: Josephinisches Strafgesetzbuch

1787–1792: Griechischer Plan / Zweiter Russisch-Österreichischer Türkenkrieg / Friede von Jassy

Dieser Krieg Russlands und Österreichs richtete sich gegen das Osamnische Reich und sah dessen Zerschlagung und Aufteilung vor. Dieses Kriegsziel wurde im sogenannten Griechischen Plan festgelegt, den die russische Zarin Katharina II. dem österreich-deutschen Kaiser Joseph II. vorgelegt hatte.

Im Kriegsverlauf gabe es zunächst keine entscheidenden Gewinne auf beiden Seiten, wobei Russland zeitweise noch durch die Schweden im Norden bedroht wurde. Preußen hingegen drängte Österreich, sich aus dem Krieg zurückzuziehen, u.a. indem es ein Bündnis mit dem türkischen Sultan schloss. Nach dem Tod Kaiser Josephs II. (1790) schloss Österreich Frieden mit dem Osmanischen Reich, was in Russland als Verrat empfunden wurde.

Russland hingegen setzte den Krieg mit einigen Erfolgen fort und der Krieg endete 1792 mit einem Friedensschluss.

1787-1804: Alexander von Humboldts Reisen nach Süd- und Mittelamerika

1788: Adolph Freiherr Knigge: Über den Umgang mit Menschen

Adolph Freiherr Knigge (1752–1796) verfasste 1788 sein bekanntes Buch über Anstandsregeln und Umgangsformen, das schon zu seinen Lebzeiten ein großer Erfolg war.

1788–1790: Russisch-Schwedischer Krieg

1788-1791: Errichtung des Brandenburgischen Tores in Berlin

1789: Französische Revolution

Frankreich befand sich in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in einer schweren politischen und finanziellen Krise. Das aufstrebende Bürgertum forderte mehr Rechte und politische Macht ein, die Adel und Klerus nicht abzugeben bereit waren. Verschiedene Versuche, die Wirtschaft zu reformieren, scheiterten. Die Bevölkerung litt große Not, da 1788 eine schlimme Missernte die Nahrungsmittel knapp machten.

Erstmals seit 1614 rief König Ludwig XVI. die Generalstände zusammen. Die Vertreter des dritten Standes weigerten sich, weiterhin nach Ständen abzustimmen und forderten die Zählung nach Köpfen. Letztlich erklärte sich der dritte Stand zur Nationalversammlung, die kurz darauf auch vom König anerkannt wurde.

Offener Protest zeigte sich in der Erstürmung der Bastille, die dazu diente, an dort gelagerte Munitionsvorräte zu kommen. Die (mittlerweile verfassungsgebende) Nationalversammlung entzog Adel und Klerus die Macht und ordnete die Verwaltung neu.

Die zunächst verkündete konstitutionelle Monarchie wurde jedoch durch aufgebrachte Volksmassen 1792 gestürzt, der König hingerichtet. Die Jakobiner, ein sehr einflussreich gewordener politischer Klub, errichtete 1793 unter der Führung Maximiliens de Robespierre "La Terreur", eine Terrorherrschaft. Verstrickt war Frankreich zudem in einen Krieg gegen Österreich und Preußen. Das eigentliche Ziel, eine demokratische Verfassung, wurde ausgesetzt.

Nach dem Ende der Schreckensherrschaft Robespierres 1794 gelangten die gemäßigten Republikaner an die Macht. Die wirtschaftliche Lage Frankreichs blieb sehr schlecht, doch siegte man im Krieg.

Napoleon Bonaparte, der sich als französischer General in verschiedenen Feldzügen einen Namen gemacht hatte, kam 1799 durch einen Staatsstreich (mit den Revolutionsheeren) an die Macht, beendete die Kriege, stellte die innere Ordnung wieder her und ließ sich zum Kaiser der Franzosen ernennen. Viele Ideen und Ergebnisse der Revolution wurden konsolidiert.

Die Ereignisse in Frankreich hatten große Auswirkungen auf ganz Europa. Viele Ideen wurden aufgegriffen, die revolutionären Handlungen fanden viele Nachahmer.

1789: Brabanter Revolution

Die Brabanter Revolution richtete sich gegen die Reformen Kaiser Josephs II. und dem dahinter stehenden aufgeklärten Absolutismus. Ein erster belgischer Staat wurde ausgerufen, die Vereinigten Belgischen Staaten. Er blieb jedoch nur wenige Monate bestehen, nachdem Joseph die Reformen zurückgenommen hatte und die Initiatoren der Revolution uneins waren über die weitere Vorgehensweise.

1789: Antoine Laurent de Lavoisier: Traité élémentaire de chimie

1790: Uraufführung von Mozarts Oper "Cosi fan tutte" in Wien

1790-1792: Kaiserzeit des Habsburgers Leopold II. (Lebensdaten: 1747-1792)

ab ca. 1790: Beginn der Romantik

Die Epoche beziht sich vornehmlich auf die kulturhistorischen Gebiete der bildenden Kunst, der Musik und der Literatur. Sie setzt der aufklärerischen Vernunft das Phantastische, Märchenhafte, die Gefühlswelt entgegen. Für die Kunst wird die Romantik ab 1790 angesetzt, bei der Literatur um 1798 und bei der Musik um 1800.

Zeitleiste 1791-1800

1792: Pockenschutzimpfung

1792: Zweite Teilung Polens (s. 1772)

1792-1806: Kaiserjahre von Franz II. Joseph Karl (Lebensdaten: 1768-1835) im Heiligen Römischen Reich, von 1804 bis 1835 Kaiser von Österreich

1794: Allgemeines Landrecht für die preußischen Staaten

Das Allgemeine Landrecht wird allgemein als ein wichtiger Schritt in den Verfassungsstaat angesehen. Friedrich II. (der Große, 1712-1786) gab es bereits 1745 in Auftrag, gegen Ende seines Lebens wurde es v.a. von den Rechtsgelehrten Carl Gottlieb Svarez und Ernst Ferdinand Klein vorangetrieben, bis es schließlich 1794 abgeschlossen werden konnte. Gemäß dem aufklärerischen Gedanken, dass Gesetze und nicht Menschen über Mensachen herrschen sollten, sollte das Landrecht Sicherheit in der Rechtsprechung bieten. In manchen Teilen wirkt es sehr modern (z.B. Verbesserung der Rechtslage für ledige Mütter und uneheliche Kinder), anbdererseits hielt es an den ständischen Privilegien fest.

1795: Dritte Teilung Polens (s. 1772) 

1799-1823: Pierre-Simon Laplace: Traité de Mécanique Céleste (Himmelsmechanik)

1794: Aufstand der Weber in Augsburg

Bereits seit über 10 Jahren schwelte der Streit zwischen den in Augsburg ansässigen Weber und der städtischen Obrigkeit. Die Webert fühlten sich durch Konkurrenz aus dem Reich und aus anderen Ländern in ihrer Existenz bedroht und forderten einen Einfuhrstopp. 1794 stürmten schließlich Webermeister mehrmals das Rathaus. Mehrere Kompromisse scheiterten. Der Stadtrat schlug schließlich militärisch den Aufstand nieder.

1799/1800: Entwicklung der Voltaschen Säule

Die Voltasche Säule gilt als Vorläuferin der Batterie. Alessandro Volta (1745-1827) entwickelte sie.

1800: Uraufführung der ersten Sinfonie von Ludwig van Beethoven in Wien

1800: Friedrich Schillers Trauerspiel "Maria Stuart" wird in Wien uraufgeführt


... und kurz danach:

1806: Auflösung des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation

 

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