| 1513: Der Jungbrunnen |
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"(...) und zu dieser Zeit war jene Fabel im Umlauf von der Quelle, die die Alten wieder verjüngen oder zu Jünglingen machen würde; das war im Jahre 1512. Jene Geschichte wurde so [eindringlich] verbreitet, und durch die Indios jener Gegend bestätigt, dass der Hauptmann Joan Ponce, seine Leute und seine Karavellen mehr als sechs Monate lang unter großen Antsrengungen zwischen jenen Inseln umherirrten, um diese Quelle zu suchen", schrieb im Jahre 1535 Gonzalo Fernández de Oviedo in seiner Historia General y Natural de las Indias. (Zitiert nach: Schmitt: Die großen Entdeckungen, S. 316) Juan Ponce de León war ein spanischer Adeliger. Im Zuge der Erkundung und Eroberung der Region um den Golf von Mexiko brachte er 1506 die Insel Puerto Rico unter seine Herrschaft. Bis 1512 regierte er die Insel als Gouverneur - mit zum Teil brutalen Mitteln, die ihn großen Reichtum bescherten. Mit diesem Geld suchte er weitere Inseln, aber eben auch den sogenannten "Jungbrunnen" zu entdecken. Dieser sollte sich Gerüchten zufolge in einem Land oder auf einer Insel namens Bimini befinden. Sein Wasser habe die Kraft der Verjüngung inne. Angeblich vernahmen die spanischen Eroberer diese Erzählung von den Aruaks, einer Völkerfamilie Südamerikas. Juan Ponce de León entdeckte die Halbinsel, die heute Florida heißt - den Jungbrunnen fand er allerdings nicht. Er wurde allerdings auch nicht viel älter: Im Kampf gegen Indianer ließ er sein Leben. Ein alter TraumDem Altern zu entgehen ist ein alter Menschheitstraum. Tiere wurden beobachtet, die sich scheinbar verjüngen: z.B. die Schlange, die sich häutet und anschließend eine jugendhafte Haut zum Vorschein bringt. Oder der sagenumwobene Phönix: Er erscheine alle 500 Jahre, verbrenne sich selbst und steige aus der Asche neu auf. Über Herodot (490 - 425 v.Chr.) und Plinius (23/24 - 79 n.Chr.) fand die Sage weitere Verbreitung unter den Gelehrten des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Wen wundert es da, dass es in der Vorstellungswelt der Frühen Neuzeit nicht nur den Jungbrunnen gab, sondern auch
Der alte Mann, die alte Frau, kurz: das Alter an sich galt im 16. und der ersten Hälfte des 17. Jahrhundert als eine Zeit der Krankheiten, Mühsalen und Hässlichkeit. Dies ging einher mit einer stetig sinkenden durchschnittlichen Lebenserwartung seit Beginn des 16. Jahrhunderts, die "im Dreißigjährigen Krieg einen absoluten Tiefpunkt" erreichte (Borscheid: Geschichte des Alters, S. 22). Mangelnde Hygiene, Hunger und Krieg schwächten die natürlichen Abwehrkräfte des Körpers, so dass Krankheitserreger leichtes Spiel hatten. Eine gewisse Verrohung war die Folge - und dazu gehörte auch die Missachtung älterer Menschen. Erst nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges (1648) wandelte sich das Bild des Alters. Die Verjüngung galt in solchen Zeiten der "Verrohung" als eine Möglichkeit oder ein Traum, den Makel des fortgeschrittenen Lebensalters loszuwerden. Wie die Verjüngung möglich sei und vonstatten gehe, darüber gab es freilich verschiedene Theorien - und ebensoviele Zweifel. So schreibt der oben zitierte Oviedo seinen Bericht über den Jungbrunnen weiter: "Es war schon ein großer Streich gewesen, den sich die Indios erlaubten, als sie die Geschichte erzählten, aber noch größer war die Narrheit der Christen, daran zu glauben und Zeit darauf zu verschwenden, diese Quelle zu suchen." (Zitiert nach Schmitt: Die großen Entdeckungen, S. 316) Doch die Verjüngungsgeschichten hielten sich: Noch Johann Heinrich Zedlers Universal-Lexicon, das zwischen 1732 und 1754 entstanden ist, will nicht alle Geschichten als unwahr hinstellen.
Literatur:Bitterli, Urs: Alte Welt - neue Welt. Formen des europäisch-überseeischen Kulturkontakts vom 15. bis zum 18. Jahrhundert. München 1992. (Über die Spanier auf Hispaniola: S. 77 ff.) Borscheid, Peter: Geschichte des Alters. Vom Spätmittelalter zum 18. Jahrhundert. München 1989. Enzyklopädie des Märchens. Handwörterbuch zur historischen und vergleichenden Erzählforschung, begründet von Kurt Ranke. Hrsg. von Rolf Wilhelm Brednich u.a. Berlin 1975 (ff.). Bert Gordijn: Medizinische Utopien: Eine ethische Betrachtung. Göttingen 2004 Schmitt, Eberhard (Hg.): Die großen Entdeckungen. Bd. 2 der "Dokumente zur Geschichte der europäischen Expansion. Sonderausgabe, Hannover 1983. Zedler, Johann Heinrich: Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste, Welche Bißhero durch menschlichen Verstand und Witz erfunden und verbessert worden [...]. Leipzig/Halle 1732 ff. (ND 1962), Stichwort "Verjüngung des Menschen", Bd. 47, Sp. 943 ff.
Links:>> Englischer Wikipedia-Artikel, Stichwort "Fountain of Youth" >> Eine kurze Beschreibung von Cranachs "Jungbrunnen" auf der schönen Kinderseite Kidsville.de |
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